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Reich-Ranicki: Ehrenpreis vielleicht am Klo aufbewahrt

13 October, 2008 (14:17) | Entertainment & Gesundheit & Lifestyle | User Imageoldgamer




Nach seiner Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises wird Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki der Einladung von Moderator Thomas Gottschalk folgen und mit diesem über Qualität im Fernsehen diskutieren. Das halbstündige Gespräch unter dem Titel “Aus gegebenem Anlass” strahlt das ZDF am Freitag ab 22.30 Uhr aus, wie ein Sprecher des Mainzer Senders mitteilte. Seine Kollegin Elke Heidenreich pflichtete ihm bei und bezeichnete die in diesem Jahr vom ZDF übertragene Fernsehpreis-Gala als “grauenvolle Veranstaltung”. Der 88-jährige Reich-Ranicki hatte den Preis für sein Lebenswerk und seine Sendung “Das Literarische Quartett” am Wochenende zurückgewiesen. Begründet hatte er dies mit seiner Kritik an dem Programm des Abends und der Qualität des deutschen Fernsehens insgesamt. Daraufhin hatte Gottschalk ihm eine gemeinsame Sendung angeboten, um über das Thema zu sprechen. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut begrüßte Reich-Ranickis Zusage: “Wir sind offen für Kritik und räumen ihr gerne Raum ein.”

Der Literaturkritiker wiederholte seine Kritik indes. “Das war ein Preis ohne Geld, musste extra hinfahren nach Köln. Und da soll ich dankbar dafür sein?”, sagte Reich-Ranicki dem Radiosender Bayern3. Der Preis sei vielmehr eine Beleidigung: “Da wurden lauter miserable Sachen preisgekrönt. Da gehöre ich nicht dazu.” Seinen Ehrenpreis in Form eines Plexiglas-Obelisken habe seine Produzentin Katharina Trebitsch mitgenommen. Wo diese die Trophäe aufbewahre, wisse er nicht - “vielleicht auf ihrem Klo”.

Auch Heidenreich kritisierte in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” die Fernsehpreis-Gala als “armselige, grottendumme Veranstaltung”. Dass sich “MRR” diese “Zumutung” nicht habe bieten lassen, sei “der Lichtblick” des Abends gewesen: Sie habe in die Luft springen mögen “vor Freude über diesen mutigen, zornigen, beleidigten, klugen Mann und vor Zorn und vor Kummer über diese verhunzte Veranstaltung, diese grenzenlose Flachheit”, schrieb die Literaturkritikerin.

Heidenreich bezeichnete die Preisverleihung in ihrem Zeitungsbeitrag als “stundenlangen Schwachsinn in hässlicher Kulisse” mit witz- und geistlosen Moderationen ihres ZDF-Kollegen Gottschalk, “die er so oder anders schon tausendmal gemacht hat”.

Ein ZDF-Sprecher sagte, der Sender habe Heidenreichs Kritik “zur Kenntnis genommen”. Über die Zukunft der Sendung “Lesen!” - “ein wichtiger Programmakzent im ZDF” - liefen mit ihr ohnehin schon seit einiger Zeit Gespräche.

Quelle: afp

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