Porsche: Wiedeking geht und bekommt 50 Millionen Euro
Wendelin Wiedeking, viele Jahre als der deutsche Topmanager schlechthin gepriesen, tritt mit 56 Jahren von der Bühne - gescheitert am Vorhaben, den VW-Konzern zu übernehmen, ausmanövriert von Politik und VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch. Der langjährige Porsche-Chef verlässt den Autobauer mit sofortiger Wirkung. Der Aufsichtsrat der Porsche Automobil Holding SE habe sich mit Wiedeking über dessen Abschied geeinigt, so der Sportwagenhersteller. Nachfolger von Wiedeking bei der Porsche AG soll der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht werden. Neben Wiedeking geht auch Finanzvorstand Holger Härter.
In einer Marathonsitzung stellte der Aufsichtsrat des Sportwagenbauers die Weichen für die Rettung des hoch verschuldeten Unternehmens. Die beiden Manager verlassen das Unternehmen mit sofortiger Wirkung und legen auch ihre Aufsichtsratsmandate bei VW und Audi nieder. Als Begründung für das Aus der Manager teilte Porsche mit, Wiedeking und Härter wollten mit diesem Schritt “einen wichtigen Beitrag zur Befriedung der Situation leisten”.
Nach dem Aus für Wiedeking gilt es als sicher, dass VW den Sportwagenbauer schrittweise übernimmt und Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern eingegliedert wird. Porsche hat sich mit der Übernahme von knapp 51 Prozent von VW verhoben und gut zehn Milliarden Euro Schulden angehäuft.
Der Aufsichtsrat beauftragte den Vorstand, die Verhandlungen mit Katar zum Abschluss zu bringen. Ziel sei es, die Voraussetzungen für die Bildung eines integrierten Automobilkonzerns aus der Porsche SE und der Volkswagen AG zu schaffen, erklärte der Aufsichtsrat nach dem einstimmigen Beschluss.
Der Kern des Scheiterns liegt in einer Fehleinschätzung des Porsche-Chefs: Er hatte sich darauf verlassen, dass die Europäische Union das VW-Gesetz komplett kippt, das dem Minderheitsaktionär Niedersachsen mit nur 20 Prozent ein Vetorecht in allen wichtigen Fragen einräumte. Genau das aber passierte nicht. So behielt das Land Niedersachsen seine mächtige Stellung bei Volkswagen - und Wiedeking blieb der Zugriff auf die gut gefüllte VW-Kasse versperrt.
Porsche saß am Ende auf teuren Optionen für den Sprung von 51 auf über 75 Prozent der VW-Aktien, die Banken wurden zunehmend nervös. Verhängnisvoll war zudem Wiedekings Ankündigung, in Wolfsburg gelte es nach der Übernahme der Mehrheit, “heilige Kühe” zu schlachten. Erst diese Kampfansage schmiedete aus dem Land Niedersachsen, Volkswagen-Führung und dem mächtigen Betriebsrat in Wolfsburg ein Bündnis, das mit dem Frontwechsel von Ferdinand Piëch komplettiert wurde.
Wiedekings Abgang wird ihm mit 50 Millionen Euro Abfertigung etwas erleichtert.
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