Palästina: Israel will Bombenangriffe auf Gazastreifen täglich für drei Stunden aussetzen
Dem Druck der Weltöffentlichkeit hat der israelische Verteidigungsminister Barak nachgegeben und heute die Öffnung von Warenübergängen in den palästinensischen Gazastreifen für humanitäre Hilfslieferungen zugelassen.
Die israelische Armee will ihre Bombenangriffe auf den dicht bevölkerten palästinensischen Gazastreifen ab Mittwoch täglich für drei Stunden aussetzen. Jeden Tag zwischen 12.00 und 15.00 Uhr MEZ soll auf Bombenangriffe verzichtet werden.
So sollen zunächst 460.000 Liter Treibstoff in den Gazastreifen geliefert werden. Etwa 80 Lastwagen sollten Hilfsgüter in das Palästinensergebiet bringen. Durch die 18 Monate anhaltende israelische Blokade und die seit Wochen anhaltenden militärischen Angriffe ist die Versorgung der Zivilbevölkerung katastrophal.
Hilfsorganisationen hatten vor einer “totalen” humanitären Krise im Gazastreifen gewarnt. Seit Beginn der Armeeoffensive am 27. Dezember wurden dort weit über 600 Menschen getötet und fast 3000 verletzt. Allein am Dienstag wurden 71 Palästinenser getötet, von denen nach Angaben aus Gaza nur zwei Hamas-Kämpfer waren.
Trotz verstärkter Bemühungen um einen Waffenstillstand setzte die israelische Armee indes ihre Offensive im Gazastreifen fort. Panzer und Kampfflugzeuge nahmen nach Militärangaben 40 Ziele der Hamas unter Beschuss. Bei einem Luftangriff am frühen Morgen kamen vier Menschen ums Leben, wie die Behörden in Gaza mitteilten.
Die Armee bestätigte die Berichte zunächst nicht. Israelische Panzer waren im Rahmen der seit fast zwei Wochen andauernden Offensive “Gegossenes Blei” am Dienstag nach Chan Junis vorgedrungen und hatten sich Gefechte mit Hamas-Kämpfern geliefert. Nach Angaben von Augenzeugen zog sich Infanterieeinheiten und dutzende Panzerfahrzeuge jedoch aus der Stadt Chan Junis auf die israelische Seite der Sicherheitssperre zurück.
Das israelische Sicherheitskabinett kam am Morgen in Jerusalem zu Beratungen über die Militäroffensive zusammen. Die Minister sollten bei ihrem Treffen über “militärische und diplomatische Fragen” im Zusammenhang mit dem Einsatz im Gazastreifen beraten, wie der Sprecher von Regierungschef Ehud Olmert, Mark Regev, sagte.
Nach Berichten des öffentlichen Fernsehens wollten die Teilnehmer über die Einleitung einer dritten Phase der Militäroffensive beraten, bei der Reservisten-Einheiten im Gazastreifen für Angriffe in Stadtzentren und auf palästinensische Flüchtlingslager eingesetzt werden sollen. Nach Rundfunkberichten sollte auch über eine mögliche Annahme eines Waffenstillstandsabkommens gehen. Außenministerin Zipi Livni bekräftigte, jede Vereinbarung für einen Waffenstillstand müsse Bedingungen enthalten, welche eine militärische Aufrüstung der Hamas im Gazastreifen verhindern.
Der UN-Sicherheitsrat will heute erneut zusammenkommen. Dann sollten die Minister und Diplomaten über einen von Libyen im Namen mehrerer arabischer Staaten eingebrachten Entwurf für eine Resolution zu dem Konflikt beraten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte für kommende Woche eine Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete an.
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