Kein russisches Erdgas nach Westeuropa - Transit-Pipelines geschlossen
Russland dreht den Gashahn zu. Durch die Gaspipelines in der Ukraine fließt kein russisches Gas mehr nach Europa. Die Ukraine habe in der Nacht alle Transit-Pipelines geschlossen, sagte Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew.
Zuvor hatte allerdings die ukrainische Gasgesellschaft Naftogaz verkündet, Russland habe die Lieferungen selbst gestoppt.
Auch die letzte ukrainische Transitleitung für russisches Gas ist heute morgen abgeschaltet worden. Damit kommt über die Ukraine kein russisches Gas mehr zu den europäischen Verbrauchern.
Beide Seiten machen sich wie gestern wieder gegenseitig für die Liefereinstellung verantwortlich: Gazprom-Vizedirektor Alexander Medwedew sagte in Berlin, die Ukraine habe die vierte und letzte Gas-Exportleitung still gelegt.
Naftogas-Sprecher Valentin Semljanski sagte hingegen in Kiew, dass um 7.44 Uhr Ortszeit (8.44 Uhr Moskauer Zeit) Gasprom die Lieferungen über die Gas-Messstation Sudsha an der russisch-ukrainischen Grenze eingestellt habe.
Wenn die Lieferungen in die Ukraine gleich null sind, dann werden die Lieferungen nach Europa ebenso sein”, sagte Semljanski. Gazprom müsse in dieser Situation selbst sehen, wie es mit den Europäern klar komme. Der ukrainische Eigenbedarf werde gegenwärtig aus unterirdischen Reservoiren gedeckt.
Gestern waren von Naftogas Ukraine bereits drei Transit-Leitungen ins Ausland stillgelegt worden. Gazprom drehte daraufhin den Gastransport an drei Übergängen in die Ukraine auf Null.
Vor allem für die stark von den Lieferungen über die Ukraine abhängenden südosteuropäischen Staaten auf der Balkanhalbinsel wird die Energieversorgungs-Lage jetzt kritisch werden.
Außerdem entsteht der Eindruck, dass interessierte Kreise in Kiew wie Moskau den Konflikt künstlich schürten, um zu verhindern, dass Gazprom und Naftogas in Zukunft ihre Geschäfte direkt miteinander abwickeln.
Das hatten im Herbst die Premiers Timoschenko und Putin eigentlich vereinbart. Denn noch laufen Geld und Gas zwischen Russland und der Ukraine formell über die Zwischenhändler-Firma RusUkrEnergo in der Schweiz - und deren obskure Hintermänner.
Gäbe es die direkte Ostseepipeline von Russland nach Deutschland schon, könnten die Westeuropäer die fast alljährlichen Vorstellungen des Gas-Theaters durchaus mit einem leichten Achselzucken verfolgen.
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