Inzest Fall Amstetten: Prozess gegen Josef Fritzl hat begonnen
Knapp elf Monate nach dem Bekanntwerden des Inzest-Dramas von Amstetten muss sich der 73 Jahre alte Josef Fritzl ab heute in St.Pölten in Niederösterreich vor dem Landesgericht verantworten.
Ihm wird vorgeworfen, seine Tochter 24 Jahre im Keller seines Hauses eingekerkert zu haben. In dieser Zeit zeugte er mit der heute 42-Jährigen sieben Kinder, eines starb als Neugeborenes.
Die Anklage wirft dem früheren Elektrotechniker unter anderem Mord, Sklavenhandel, Inzest und Vergewaltigung vor. Ein Urteil soll am Freitag fallen.
Dem Angeklagten droht nach der auf fünf Tage anberaumten Verhandlung eine bis zu lebenslange Haftstrafe.
Eines der sieben Kinder starb kurz nach der Geburt, was die Staatsanwältin Josef Fritzl. nun als Mord durch Unterlassung ankreidet, da er dem Baby die überlebensotwendige ärztliche Hilfe verweigert haben soll. Verteidiger Rudolf Mayer hat angekündigt, dass sich der 73-jährige Angeklagte zu Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und schwerer Nötigung schuldig bekennen wird. Den Vorwurf des Mordes will Fritzl aber bestreiten. Im Hinblick auf die ebenfalls angeklagte Sklavenhaltung bezweifelt Mayer, dass der Tatbestand vorliegt. Die Verhandlung ist auf fünf Tage anberaumt, könnte jedoch bereits am Donnerstag zu Ende gehen.
Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes muss Fritzl mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen. Zusätzlich hat die Staatsanwaltschaft seine Sicherungsverwahrung in einer Anstalt für abnorme Rechtsbrecher gefordert. Psychiatrische Gutachter haben ihm eine “höhergradig seelisch-geistige Abartigkeit” attestiert. Selbst nach Verbüßung einer über ihn verhängten Strafe könnte Fritzl somit erst nach der Einwilligung eines psychiatrischen Sachverständigen das Gefängnis verlassen. Zusätzlich zur Verurteilung wird die Staatsanwältin die Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher beantragen.
Es erscheint fraglich, ob die Verhandlung auf die Minute pünktlich beginnen kann. 95 Journalisten und drei “Kiebitze” haben vom Landesgericht St. Pölten Akkreditierungen erhalten. Das mediale Interesse überwiegt allerdings bei weitem die Anzahl der ausgegebenen Zutrittsbewilligungen. Es steht zu befürchten, dass an sich im Vorfeld abgewiesene Pressevertreter daher versuchen werden, doch noch ins Gerichtsgebäude zu gelangen. 30 bis 40 Polizisten und Sicherheitskräfte sollen im Verhandlungssaal für Ordnung sorgen. Mindestens sechs Justizwachebeamte werden Josef Fritzl vor den nationalen und internationalen Berichterstattern abschirmen.
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