Doping-Soap Österreich: Ex-Radprofi Bernhard Kohl gibt Weitergabe von Dopingmitteln zu
Die Ermittlungen der Soko-Doping und die Geständnisse des Ex-Radprofis Bernhard Kohl lassen den Dopingsumpf Österreichs mehr und mehr zur Doping-Soap werden.
So hies es am 29.Mai dieses Jahres:
Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat im Zusammenhang mit der Causa Hütthaler das Strafverfahren gegen den Triathleten und Ex-Radprofi Hannes Hempel eingestellt. “Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich unschuldig bin. Nun ist es auch bewiesen”, ließ der 35-jährige Sportler am Freitag über sein Management ausrichten.
Am 15. Juni berichtete die Tageszeitung “Kurier” der gedopte österreichische Radprofi Bernhard Kohl sei vom Triathleten und Ex-Radprofi Hannes Hempel mit dem Dopingmittel CERA versorgt worden.
Demnach hätte der Dritte der Tour de France 2008 den Doping-Ermittlern gestanden, das Epo-Produkt von Hempel bezogen zu haben. Staatsanwaltschafts-Sprecher Gerhard Jarosch bestätigte gegenüber der Zeitung diese Angaben. “Bernhard Kohl hat von Hannes Hempel einmal das Epo-Mittel CERA bekommen. Vor der Tour de France 2008″, wurde Jarosch im “Kurier” zitiert.
Hannes Hempel hatte bei einer Einvernahme vor den Behörden zugegeben, ein CERA-Präparat an Kohl übergeben zu haben. Nach Angaben seines Anwalts Herwig Hasslacher in der ORF-TV-Sportsendung am Montagabend hat der Ex-Radprofi und Triathlet aus Kärnten dieses Geständnis aber widerrufen. “Es bestand eine große psychische Belastungssituation, er hätte alles unterschrieben, was man ihm vorgelegt hätte”, erklärte Hasslacher in dem TV-Interview. Laut Hempel sei dieses Geständnis kein Geständnis gewesen, sagte der Anwalt.
Zwei Tage später, am 17. Juni beteuert Hempel seine Unschuld und ging in die Offensive:
“Was derzeit hinter meinem Rücken abgeht, ist der reinste Wahnsinn. Jene überführten Dopingsünder, die sich auf meine Kosten eine bessere Position verschaffen wollen, handeln absolut niederträchtig! Herr Kohl ist sowieso nicht ernst zu nehmen - er erfindet ständig etwas anderes. Jeder soll sich selbst einen Reim daraus machen. Ich hoffe, dass auch die Medien und alle Besserwisser endlich seine hinterhältige Taktik durchschauen. Ich kann nur sagen: Ich habe ein völlig reines Gewissen und freue mich auf den Tag, an dem alle Lügen endlich aufgedeckt sind. Ehrlich währt am längsten - das werden auch Herr Kohl und Frau Hütthaler irgendwann kapieren müssen”, erklärte Hempel.
Am Sonntag den 28.Juni verlautbarte Hannes Hempel im ORF im Eilmeldungstempo erneut seine Meinung.
Er habe niemals gedopt und auch niemals Dopingmittel weitergegeben, er sei bei der Polizei unter enormem psychischen Druck gestanden und hätte alles unterschrieben.
Vielmehr sei Hempel selbst von Kohl mit eindeutigen Doping-Angeboten umgarnt worden, die er immer abgelehnt hätte.
Der längst geständige Bernhard Kohl zeigte sich gestern “sehr verwundert” über Hempels Aussagen.
Es sei damals - lange vor dem Anti-Doping-Gesetz - üblich gewesen, dass Sportler einander Substanzen angeboten haben. Kohl kann auch den plötzlichen Sinneswandel (erst gestehen, dann widerrufen) Hempels nicht nachvollziehen. “Meiner Erfahrung nach waren die SOKO-Beamten zuvorkommend und freundlich. Zudem durfte man seinen Anwalt beiziehen. Ich verstehe also Hempels Argumentation nicht.”
Heute, einen Tag später, hat der wegen EPO-Dopings gesperrte Bernhard Kohl erstmals zugegeben, verbotene Substanzen nicht nur selbst konsumiert, sondern diese auch weitergegeben zu haben.
Kohls Anwalt Manfred Ainedter bestätigte am Dienstag eine entsprechende ORF-Meldung und präzisierte diese: “Es stimmt, dass Kohl dem Hannes Hempel etwas gegeben hat.”
Konkret behauptet Kohl, er habe dem früheren Radprofi und nunmehrigen Triathleten drei Ampullen Amth-2 - in der Wirkung angeblich Testosteron vergleichbar - zu je einem Milliliter überlassen, wobei allerdings derzeit fraglich ist, ob diese Substanz unter das Arzneimittelgesetz oder das Anti-Doping-Gesetz fällt. Die entsprechenden chemischen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Auf Nachfrage im Austrian Research Center (ARC) und von der WADA akkreditierten Labor in Seibersdorf war zu erfahren, dass man derzeit damit beschäftigt sei, der Substanz auf den Grund zu gehen.
“Die Übergabe hat Anfang 2008 stattgefunden”, sagte Ainedter. Falls dies zutrifft, wäre der Vorgang nicht nach dem erst im vergangenen August in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetz, sondern allenfalls nach dem Arzneimittelgesetz strafbar. Die Kosten für das Amth-2 will Kohl mit drei insgesamt 300 Euro teuren CERA-Spitzen “gegenverrechnet” haben, die er zuvor von Hempel erhalten habe. Er selbst habe das neue Mittel über seinen früheren Manager Stefan Matschiner kennengelernt.
Auf die Frage, weshalb Kohl erst jetzt die Weitergabe von dubiosen Substanzen zugebe, erwiderte sein Anwalt: “Das war bisher nie Thema. Er ist nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten.” Ainedter dementierte kursierende Gerüchte, denen zufolge Kohl auch weitere Sportler aus der Radsport-Szene - womöglich noch in der zweiten Jahreshälfte 2008 - mit Mitteln versorgt haben soll. Sollte Kohl das dessen ungeachtet nachgewiesen werden können, wäre ein derartiges Verhalten jedenfalls nach dem Anti-Doping-Gesetz strafbar. Möglicher Strafrahmen: Bis zu drei Jahre Haft.
Auf die Fortsetzung der Doping-Doku Doping-Soap darf gehofft werden.
Sphere: Related Content« Yemenia Airbus A310 Flug IY 626 ins Meer gestürzt - 153 Tote
Michael Jackson: Extrem starkes Narkotikum Propofol gefunden »






