ARD Doku: Wie Fans des Online-Games World of Warcraft der Sucht verfallen
Erst kommt der Kick, dann der Absturz: Der ARD-Film “Spielen, spielen, spielen…” zeigt, wie Fans des Online-Games “World of Warcraft” der Sucht verfallen. Dabei leuchtet die Doku die Grauzone zwischen Faszination und Abhängigkeit aus, ohne in Hysterie zu verfallen.
Spielen, spielen, spielen … wenn der Computer süchtig macht
Dokumentation
ARD D 2008
Sendetermin: 12.08.2008, 22:45 Uhr
Inhalt
Wenn Marc-Oliver am Nachmittag von der Schule nach Hause kommt, hat er nur ein Ziel: seinen Computer. Mindestens sechs Stunden spielt er täglich, am Wochenende auch mal Nächte durch. Marc-Oliver ist süchtig - nach Computerspielen. Wegen seiner Spielsucht hat er das Gymnasium geschmissen und nur mit Mühe einen Hauptschulabschluss geschafft. Immer war der Computer ihm wichtiger. Es ist eine Sucht, die seine Mutter nicht versteht und gegen die sie hilflos ist. “Wir haben alles versucht, um ihn vom Bildschirm wegzuholen. Wir haben mit ihm über die Spiele gesprochen, haben gedroht und den Computer schließlich abgeschaltet. Es hat alles nichts genützt.” Die Dokumentation “Spielen, spielen, spielen… wenn der Computer süchtig macht” gibt Einblicke in den täglichen Kampf von Familien gegen die Computerspielsucht ihrer Kinder. Wie der 17-jährige Marc-Oliver verlieren sich immer mehr Jugendliche in den virtuellen Welten. Bis zu zehn Prozent aller Spieler sollen laut Studien suchtgefährdet sein. Über ein Jahr lang hat das Autorenteam Marc-Oliver und seine Familie begleitet - ein Jahr im Leben eines Spielsüchtigen. Es wird gezeigt, was an den Online-Rollenspielen begeistert und gleichzeitig so gefährlich ist. “Spielen, spielen, spielen… wenn der Computer süchtig macht” zeigt die Auswirkungen der Computerspielsucht sowie die Hilflosigkeit der Eltern und nähert sich diesem neuen Krankheitsbild auch aus Sicht von Neurologen und Psychiatern. Außerdem sprechen die Autoren mit einem jungen Mann, der gerade eine Therapie gegen Computerspielsucht macht. Er hat alles verloren, Job, Freundin und Wohnung, und sucht einen Weg zurück aus der virtuellen in die reale Welt.
Eine gespenstische Wirkung also kann von diesem Computerspiel ausgehen; schätzungsweise zehn Millionen Menschen sollen “World of Warcraft” regelmäßig spielen. Bei einigen Konsumenten kommt es zu gefährlichen Persönlichkeitsveränderungen samt Aggressionsschüben. “Es ist keine Seltenheit”, so ein Psychologe, “dass Computersüchtige in Handschellen in die Klinik gebracht werden.”
Trotzdem nähert sich die ARD-Dokumentation “Spielen, spielen, spielen…” dem Phänomen mit der gebotenen Bedachtsamkeit. Nicht auf jede Frage in Sachen krankhafter Computerspielfixierung versucht man hier eine griffige Antwort zu geben, zu unerforscht ist das Thema. Dafür leuchten die Filmemacher Sonia Mayr, Anja Raschke und Henning Rütten umso genauer die gefährliche Grauzone aus, in der Faszination in Suchtverhalten umschlägt.
Ein Jahr lang haben sie zum Beispiel den Teenager Marc-Oliver beobachtet, der mindestens sechs Stunden pro Tag vor dem Computer sitzt. Die Schule hat er bereits geschmissen, durch die Fahrprüfung rasselt er während des Drehs auch noch, und sein soziales Umfeld ist auf jene Mitstreiter aus der “World of Warcraft” geschrumpft, mit denen er über Headset Nachmittag für Nachmittag Kampfstrategien ausarbeitet.
Quelle: spiegel.de/ARD.de
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