Alice Schwarzer: Ikone des Feminismus in Deutschland
Börne-Auszeichnung für Schwarzer mit Protesten
Harald Schmidt hielt Laudatio für feministische Autorin - Schwarzer kritisierte neuen “Wellness-Feminismus” - Proteste von Sexarbeiterinnen
Frankfurt/Main - TV-Entertainer Harald Schmidt hat am Sonntag Alice Schwarzer den Ludwig-Börne-Preis überreicht. Er bezeichnete die streitbare Journalistin und Schriftstellerin als “Ikone des Feminismus in Deutschland”. Es sei eine von Schwarzers großen Qualitäten, anderen für ihre Herzensangelegenheiten auf die Nerven zu gehen, sagte Schmidt in der Frankfurter Paulskirche in seiner Laudatio.
Kritik an “selbstverliebter Girlie-Welle”
Schmidt durfte in diesem Jahr im Auftrag der Börne- Stiftung allein als Juror über die Preisvergabe entscheiden. Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung erinnert an den scharfzüngigen Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837).
Schwarzer kritisierte bei dem Festakt vor mehreren hunderten ZuhörerInnen die zweite deutsche “Girlie-Welle”, die vor allem selbstverliebt sei. “Diese späten Mädchen sind Propagandistinnen eines Wellness-Feminismus”, sagte Schwarzer mit Verweis auf aktuelle Bücher junger Autorinnen wie “Wir Alphamädchen” und “Neue deutsche Mädchen”. Sie werde sich, auch wenn sie dafür kritisiert werde, weiterhin für Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzen.
Proteste von SexarbeiterInnen
Schwarzer forderte in ihrer Rede zugleich dazu auf, nicht die Augen vor Zwangsprostitution und der Not der Frauen in diesem Job zu verschließen. Wer dies tue, zeige eine neue Kaltherzigkeit. Vor der Paulskirche demonstrierten rund 20 AnhängerInnen eines “Vereins für soziale und politische Rechte von Prostituierten” gegen die Preisträgerin. Sie ziehe das Bild der Prostituierten durch die ständige Verbindung mit Gewalt und Kriminalität in den Dreck, erklärte die Organisation. (APA/dpa)
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