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Algerienreisebericht 1

28 January, 2008 (13:57) | Lotse´s corner | User Imageadmin




Die Sahara ist die größte Wüste der Welt und wächst
unaufhaltsam über ihre Grenzen hinaus. Mit unbarmherzigem Gleichmut holt sich
der Garten Allahs, wie die Nomaden die Sahara auch nennen, jenes Land zurück,
welches Generationen seit 20.000 Jahren unter härtesten Bedingungen urbar
gemacht haben. Noch spenden unterirdische Seen aus der Vorzeit Wasser für
Pflanzen, Mensch und Tier, doch neigen sich diese Ressourcen im Gegensatz zur
Wüste einem Ende zu. Wo es an dem lebensnotwendigem Element mangelt, wird es
mit Tankwagen auf holprigen Pisten durch die endlose Landschaft gekarrt. Warum
es keine Pipelines gibt, die mit entsalztem Meerwasser Bewässerungssysteme im
Landesinneren speisen, bleibt mir ein Rätsel.

 

Die Öl- und Gasförderung in amerikanischen Händen, pumpt
jedenfalls im Überfluss: nur €0,14 kostet ein Liter Diesel an der Tankstelle in
Algerien. Das Missfällt nicht nur, weil man sich beim Gedanken daran über die
Steuern auf Treibstoffe in Europa ärgert. Wird nicht recht viel Medizin aus
Erdöl synthetisiert? Wir verheizen den wichtigsten Rohstoff für nahezu alle
Medikamente, die sich in der Apotheke finden lassen… 60 Jahre lang kann
Petroleum – das Öl aus dem Stein – den Weltbedarf noch decken, dann ist
Schluss. Schluss für Benzin, Heizöl, Kosmetik, Kunststoff und besagte Medizin. Doch
der Mensch ist bekanntlich anpassungsfähig und schlau. Schließlich haben wir es
ja auch lange ohne Erdöl geschafft, oder?

 

Es haben sich ohnehin schon zu viele Verbraucher auf der
Welt eingenistet und verpesten sie mir ihrer sinnlosen Existenz. Jedes Maul will
gestopft werden, jeder Arsch mit gebleichtem Papier gewischt. Der blaue Qualm
aus den Auspuffanlagen der Individualverkehrsmittel verdichtet sich in den
Ballungszentren zu einem stinkenden Giftnebel. Von ätzenden Gasen angegriffenes
Mauerwerk bröckelt an den Häusern und zwingt sie zu einem morbiden Striptease.
Krüppel, Greise, und Kinder in zerschlissene Lumpen, betteln allseits um Geld,
oder bieten wertlose Waren an, um dem Spender nicht auch noch seine Würde zu
rauben.

 

Da bleibt nur die Flucht in den Garten Allahs, zu seinen
Steinkegeln und Felsformationen, die wie Schlachtreihen auf einem gigantischen
Spielbrett aufgestellt, oder gleich geschlagenen Armeen in den Sand geworfen
scheinen. Weg vom Getöse der Maschinen, dem schrillen Pfeifen und Hupen, der
stickigen Luft und den schmierigen Fingern. Lieber zwischen Skorpionen barfuss
tanzen und mit Vipern einen Schlafplatz teilen. Gehen bis nur mehr das
Knirschen des Sandes unter den Zehen zu spüren, das Rauschen des Blutes in den
Ohren zu hören und der Atem sich unbemerkt im Wind verloren hat.

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Comment from RizzoRazzo
Time: March 5, 2008, 8:37 pm

lotse, das rührt, berührt, verführt zu einem wüstenritt…

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